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Mass Effect

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass 'Mass Effect' von Bioware bis Anfang des Jahres (der erste Teil erschien im November 2007) quasi spurlos an mir vorübergegangen ist.

Heute, gut zwei Wochen nachdem ich den dritten und vorerst letzten Teil beendet habe, möchte ich gerne Obi-Wan (Episode II) zitieren: "What took you so long?" Ganz ehrlich - hätte ich gewusst, dass 'Mass Effect' ein solches Epos ist, wäre ich definitiv bereits Fan der ersten Stunde gewesen. Doch halt, für alle (und das dürften - leider - immer noch etliche sein) die nichts mit dem Namen 'Mass Effect' anfangen können ein kurzer Einblick in die Handlung (Mass Effect 1):

Im Jahr 2148 werden auf dem Mars Spuren einer außerirdischen Rasse entdeckt, wodurch Zugriff auf fortschrittliche Technologie und damit die Erkundung des Weltalls möglich ist: den für das Spiel namensgebenden Masseneffekt (engl. Mass Effect). Etwa 35 Jahre später wird auf der Erdenkolonie Eden Prime ein unbekanntes Artefakt eben jener außerirdischen Rasse gefunden. Die Spielfigur Commander Shepard befindet sich als Soldat in geheimer Mission, um das Artefakt zu bergen .

Im Grunde nichts Besonderes. Soweit, so Groschenroman. Manch einer würde jetzt bestimmt sagen: "Innovation sieht aber anders aus, oder?". Vielleicht. Und doch beginnt mit dieser scheinbar einfachen Aufgabe eine unglaubliche und abenteuerliche Reise, dessen Drehbuch der Feder des kanadischen Autors und langjährigen Bioware Mitarbeiters Drew Karpyshyn entsprungen ist und ihres gleichen sucht.

Neben einer fulminant inszenierten Geschichte, die von lebendigen (und hervorragend synchronisierten) Charakteren durchwoben ist, fällt einem vor allem das stimmige Design der Spielwelt und der großartige Soundtrack auf. Hierfür zeichneten sich die Computerspiel- und Filmkomponisten Jack Wall (Teil 1 + 2; u.a. Myst-Reihe, Splinter Cell, Call of Duty: Black Ops II) und Clint Mansell (Teil 3; u.a. Requiem for a Dream, The Fountain, Black Swan) verantwortlich.

Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass man während der zahlreichen Missionen, aber auch in den kinoreifen Zwischensequenzen und Gesprächen (bei denen Einfluss auf das Spielgeschehen genommen werden kann) unweigerlich eine Beziehung zu seinem Alter Ego aufbaut.

An dieser Stelle muss ich abermals vor Bioware den Hut ziehen, denn dem Spieler wird die Möglichkeit eröffnet seinen Charakter mittels Speicherstand-Übertragung (und allen damit verbundenen Entscheidungen, Fähigkeiten und Fortschritten) in die nachfolgenden Teile zu importieren und somit seine 'ganz persönliche Geschichte' fortzusetzen.

Ein weiteres Novum ist auch die Erkenntnis, dass man nicht unbedingt ein Mann sein muss, um das Universum zu retten. Der Spieler kann als Heldin in die Geschichte eingehen. Und wenn wir schon dabei sind Konventionen zu brechen, wie wäre es Liebesbeziehungen, auch homosexuelle zu verschiedenen Charakteren einzugehen? Mann und Mann, Frau und Frau, Mensch und Alien, alles ist möglich in der andauernden Unendlichkeit des Alls.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Jedoch halten sich die negativen Punkte/Eindrücke (bei mir zumindest) wirklich in Grenzen:

Sicher könnte man von einem Action-Rollenspiel mehr Freiheiten seitens der Charakterbildung erwarten ... oder aber (noch) mehr Action - je nachdem wen man fragt. Und auch eine gewisse Linearität, was Haupt- und Nebenmissionen betrifft, ist nicht von der Hand zu weisen.

Die Ladezeiten (Xbox 360) waren durchgehend annehmbar und von dem an anderen Stellen berichteten Ruckeln oder gar Spielabstürzen bin ich verschont geblieben.

Ebenfalls nicht nachvollziehbar fand ich die Diskussionen über das vermeintlich lieblose Ende des dritten Teils. Jedem dürfte klar gewesen sein, dass dies (vorerst) das Ende für Shepard sein würde. Den von Bioware kostenlos nachgereichten Spieleinhalt-Download (DLC) 'Extended Cut', der neben erweiternden Enden auch einige komplett neue Szenen enthält, lege ich aber trotzdem jedem Interessierten ans Herz.

Eines jedoch Bioware, verzeihe ich euch nur schwer, wenn überhaupt. Dieser unsägliche Fauxpas mit dem Gesicht von Tali'Zorah (ein Hauptcharakter des Spiels), ein lieblos nachbearbeitetes Bild von gettyimages - das hätte nicht passieren dürfen ...

Was vom Tage übrig bleibt

Was zählt ist einzig und allein das große Ganze und die Eindrücke, die ein Spiel (oder wie hier, drei Spiele) bei einem hinterlassen. Nicht mehr und nicht weniger.

In meinem Fall waren es am Ende insgesamt 112 Stunden (ME1 - 37 Std., ME2 - 36 Std., ME3 - 39 Std.) pure Spiellust, die neben einer Menge Action vor allem durch die ruhigen Momente des brilliant erzählten Sci-Fi Märchens geglänzt haben.

Und darum sollte es letzten Endes immer gehen - eine gute Geschichte zu erzählen.

Pedro ist irgendwas Mitte dreißig und Geschäftsführer / Designer bei ticktoo Systems im schönen Bamberg. Darüber hinaus frönt er seinen Leidenschaften, von denen er hin und wieder hier berichtet. Du erreichst ihn per E-Mail unter me@antidot.org.

20.10.2012

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